THE SHOW MUST GO ON

18. März 2021

THEATER MAGDEBURG

Pandemiebedingt sind Theater seit Monaten geschlossen und in vielen Spielstätten wurde die Belegschaft in Kurzarbeit geschickt. Theatern stellt sich seither die Frage, wie sie trotzdem weiter Kultur unter die Menschen bringen können, sodass eine Vielzahl neuer, den Hygienevorschriften entsprechender Formate entstanden ist.

„Die letzten Monate waren schon sehr hart. Der Grund, wieso wir Theater machen, die Livemomente mit dem Publikum, fehlen einfach total“

Am Theater Magdeburg gibt es unter anderem den Audio-Walk „Philisterburg“, bei dem Teilnehmende mit Kopfhörern durch das Magdeburg der 1930er Jahre wandern, die „Lockdown Lectures“, Live-Lesungen von Theaterstücken, die es nicht in den Spielplan geschafft haben, oder die Aktion „Bei Anruf: Kunst!“, die sich um kreative Telefonanrufe von Ensemblemitgliedern dreht.

Ich habe Laura Busch und Thomas Schmidt-Ehrenberg, beide arbeiten in der Dramaturgie, sowie den Schauspieler Christoph Förster getroffen, die von den aktuellen Herausforderungen erzählen und das brandneue Show-Format „Rampe & Radau“ vorstellen. „Die letzten Monate waren schon sehr hart. Der Grund, wieso wir Theater machen, die Livemomente mit dem Publikum, fehlen einfach total“, erklärt Laura Busch. Es ist betriebsam im Schauspielhaus: Sowohl im Studio als auch im Foyer finden Proben statt, aber ein Blick in die maskenverhüllten Gesichter und ins leere Theatercafé mit in Plastikfolie verpackten Möbeln machen schnell klar, dass hier fortwährender Ausnahmezustand herrscht. „Deswegen wollen wir versuchen, alle Kanäle zu nutzen, die unter Pandemiebedingungen funktionieren, und haben bisher vor allem für die Aktion ‚Bei Anruf: Kunst!‘ ein Riesenfeedback bekommen! Es ist einfach ein sehr emotionaler Punkt – für beide Seiten –, wenn ein Opernsänger eine Arie ins Telefon schmettert oder eine Schauspielerin ein Gedicht rezitiert – nur für die angerufenen Personen am Telefon hörbar“, erläutert Thomas. Laura ergänzt: „So nahe kommen Leute den Bühnenschaffenden selten.“ Ich kenne diesen Effekt auch aus anderen Städten, dass Theater in Zeiten der Pandemie neue kreative Kräfte entfesselt und diejenigen, die ansonsten auf den Zuschauerrängen sitzen, in die Wohnzimmer der Kreativschaffenden mitgenommen werden und neue private Eindrücke und Momente entstehen.

„So nahe kommen Leute den Bühnenschaffenden selten.“

Die Premiere des neuesten Formats steht kurz bevor und die Anspannung bei allen Beteiligten ist deutlich zu spüren. In etwa fünf Wochen – für die Theaterarbeit ein sehr kurzer Zeitraum – ist ein komplett neues Format entstanden. Neues technisches Equipment, wie ein Live-Regie-Pult, wurde angeschafft und die technische Direktorin Christiane Hercher hat sich in die Bedienung eingearbeitet.

Angelehnt an große Late-Night-Show-Vorbilder, wie Jimmy Kimmel, oder hiesige Showgastgeber, wie Jan Böhmermann, ist die Show „Rampe & Radau“ entwickelt worden. Dafür haben viele Angestellte aus dem Schauspielhaus und Opernhaus aus diversen Sparten eng zusammengearbeitet und ein hybrides Format, eine Mischung aus Theater und Fernsehen, geschaffen. „Es ist ein faszinierender Ritt auf der Rasierklinge“, bescheinigt Thomas der Gesamtsituation und Laura berichtet von „der großen Spielwut, dem Wunsch, etwas Kreatives zu schaffen, das ganz sicher zur Aufführung kommt!“.

Schauspieler Christoph Förster kommt zum Gespräch dazu, er ist niemand Geringeres als der Showhost in spe! Christoph hat schon vor Fernsehkameras gestanden, sich aber bewusst für eine Theaterlaufbahn entschieden, weil er die unmittelbare Interaktion mit dem Publikum schätzt: „Für mich gibt es eigentlich nichts Schlimmeres als einen leeren Theatersaal!“. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Christoph die Showbühne rocken wird. Ganz wie seine (inter)nationalen Showvorbilder wird er an seinem Pult prominente Gäste empfangen, eine Showband mit Mitgliedern aus Opernchor, Schauspiel und Orchester unterstützt ihn mit groovigen Songs und manche Gäste bringen eine extra Portion Glamour mit. Die Show wird live online übertragen und Zuschauende zu Hause können per Kommentar noch näher dabei sein.

KONTAKT

Theater Magdeburg
Universitätsplatz 9
39104 Magdeburg

Telefon: (0391) 40 490 1111

E-Mail: info@theater-magdeburg.de
Internet: www.theater-magdeburg.de

 

 

Moderator Christoph wird den Hashtag #MeinerstesMal vorstellen und alle sind eingeladen, ihre passenden Kommentare, Geschichten und Ideen auf Facebook, Twitter, YouTube oder Instagram unter die Beiträge zur Show zur posten. Per Kommentarfunktion können wir auch Wünsche äußern, wofür die Show „Werbung“ machen soll, und Christoph hat mir verraten, dass er nicht nur schon großen Respekt davor hat, ohne Text frei zu moderieren, sondern wegen seiner Improvisationstheatereinlagen zu den „Werbepausen“ auch etwas Lampenfieber verspürt.

www.theater-magdeburg.de/spielplan/online/onlineformate/rampe-radau/

Fotos: Michael Palatini
Fotos: Ron Hartmann

FRANZISKA

„Also ich weiß schon genau, was ich am 19. und 26. März um 21.00 Uhr machen werde! Und wenn das Format gut ankommt, wird es in Zukunft mehr Termine geben – dann vielleicht auch mit Zuschauer*innen direkt in der Show?!“

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