EIN KAFFEEHAUS AN DER SAALE HELLEM STRANDE

Juli 2021
Ein Artikel von: Karolin Janus

KAFFEEHAUS WITTEKIND – HALLE (SAALE)

Denn genau dort liegt das Kaffeehaus Wittekind. Und genau hier sitzen wir auch für das Interview zusammen. Doch ich musste nur eine einzige Frage stellen und plötzlich war über eine Stunde vergangen, „das Ding war im Kasten“, wie es manchmal so salopp heißt. Doch war es so viel mehr als ein Interview. Es war ein Vormittag in einem altehrwürdigen Gemäuer, saniert mit Leidenschaft und dem Blick für die ganz kleinen Details, ein ehrliches und so belebendes Gespräch, ein wunderbarer Cappuccino samt Reise in die Vergangenheit und der wunderbaren Vision von einem richtigen KAFFEEHAUS an der Saale – und eine aufrichtige Unterhaltung über dieses schöne Halle, mit all seinen Ecken und Kanten, welches seinerzeit schon Eichendorff und Goethe so inspirierte.
Danke, Anna und Paul!


„Spätestens als wir damals in dem alten Pavillon standen, wussten wir, es ist zu schade, das hier nicht zu erhalten.“
Paul

Schon 2019 fiel die Bauchentscheidung, in der Heimatstadt ein Café zu eröffnen. Doch es ist nicht nur die Heimatstadt, sondern quasi das Heimatviertel – das Giebichensteinviertel. An diesem Fleckchen, damals noch Amtsvorstadt Giebichenstein, fand schon Goethe bei seinem Besuch der Saalestadt Gefallen und berichtete seinem Brieffreund Schiller davon.


„Versäumen Sie ja nicht sich in Halle umzusehen, wozu Sie so manchen Anlaß finden werden.“
Johann Wolfgang von Goethe

Und wer sich jetzt fragen sollte, warum es hier so geschichtsträchtig geschrieben steht, dem sei gesagt, dass auch die Geschichte des Kaffeehauses Wittekind geschichtsträchtig ist. Zudem ist es das Anliegen von Anna und Paul, Halle mit seiner Schönheit und Besonderheit ein bisschen mehr ins Bewusstsein der Hallenser*innen und natürlich und vor allem auch in das Bewusstsein der Besucher*innen zu rücken. Und während wir hier sitzen und erzählen, empfinde auch ich für meine Heimatstadt gleich noch ein bisschen mehr Stolz.

Aber zurück zur Geschichte des Kaffeehauses. Einst gab es hier in der Seebener Straße das ‚Café Schade‘ mit einem kleinen Verkaufsgeschäft und einem Saal. Viele Hallenser erinnern sich sicher noch gut daran. Nun sitzen wir in einem hellen Pavillon mit dem Blick auf eine herrliche Terrasse, gleich an der Saale hellem Strande. Anna und Paul haben gemeinsam mit ihrem Team die vergangenen Monate ganze Arbeit geleistet.


„Es war ein Kaffeehaus und es sollte auch wieder ein Kaffeehaus sein.“
Paul

KONTAKT

Kaffeehaus Wittekind
Anne Krischer & Konrad Paulus Sonnenburg
Seebener Straße 20
06114 Halle (Saale)

Tel.: (0345) 226 028 82

post@kaffeehaus-wittekind.de
Instagram


ÖFFNUNGSZEITEN

Laden mit Kuchen & Kaffee
Mo – So: 11:00 – 19:00 Uhr

Restaurant
Mi-Fr: 14:00 – 22:00 Uhr
Sa-So: 9:00 – 22:00 Uhr

„Das Kaffeehaus Wittekind vereint ganz verschiedene Baustile und jede Menge Geschichten“, erzählt Paul. Der Konditor Paul Henning baute das Haus 1909 im Jugendstil und führte das Kaffeehaus Wittekind samt Konditorei. 1929 erwarb er dann ein weiteres Grundstück dazu und baute den Pavillon im Bauhausstil darauf. Seine Nachfolge trat die Familie Schade an, die hier in drei Generationen herrlichsten Baumkuchen herstellte. Eine echte Institution in Halle und Mitteldeutschland. „Hier gab es eine Identität, die es zu erhalten galt, aber auch neu belebt werden musste“, sagt Paul. „Wir haben dann damals unser Konzept vorgestellt und konnten uns auch auf das Pandileo berufen. Das kam uns natürlich auch zugute.“

„Für mich ist der Gedanke schön, unterwegs, an der Saale
einfach mal wieder etwas richtig Gutes zu genießen.“
Paul

„Ich finde es immer wichtig und richtig, eine Sache zu genießen, sich etwas richtig Gutes zu gönnen und mit Freunden und der Familie eine schöne Zeit zu haben.“ „Und auch aus diesem Grund haben wir das Kaffeehaus Wittekind wieder beleben wollen. Wenn mir etwas fehlt und mir etwas auffällt, was man besser machen kann, dann versuche ich, es selbst umzusetzen.“

„Halle hat ein Talent dazu, sein Potential nicht voll auszuschöpfen“, sagt Paul, und ich muss schmunzeln, denn ich weiß, was er meint. Und auch hier können wir noch einmal einen Schlenker ins späte 19. Jahrhundert machen: denn mal ehrlich, wer weiß denn schon als Hallenser*in oder als Besucher*in, dass Eichendorff hin und wieder die Saalestadt aufsuchte und dieser mit seinem Gedicht „Bei Halle“ sogar wunderschöne Zeilen widmete? Ihm zu Ehren wurde in den Klausbergen sogar eine Bank errichtet – die sogenannte Eichendorffbank. Von ihr hat man einen wunderschönen Blick über die Saale und die Giebichenstein – und natürlich haben wir beim Interviewtermin einen kleinen Ausflug hierher unternommen. Denn es ist nur einen Steinwurf vom Kaffeehaus entfernt und verdeutlicht einmal mehr die Nähe zu Halles schönsten Fleckchen und die Verbundenheit zu einer schöngeistigen, erhebenden Stimmung.

Und nun stellt euch einmal vor, ihr könntet an einem sonnigen Sonntag an der Saale entlangflanieren und vor dem Aufstieg zur Eichendorffbank noch einen hübsch gepackten Picknick-Korb im Kaffeehaus abholen? Das ist die Idee. Und so werden das Anna und Paul auch umsetzen, da bin ich mir nach dem Besuch ziemlich sicher.

„Bei uns gibt es To Go Becher, die man zurückgeben kann. Wir verkaufen ausschließlich Dresdner Manufaktur-Eis. Wir backen unseren Kuchen, alle Törtchen und die Brote selbst.“

„Dir soll es hier gut gehen. Wir möchten, dass sich unsere Gäste erholen können.
Das hier soll ein Ort sein, der etwas macht, damit Du ein gutes Gefühl hast.“
Anna

„Und das kann man meiner Meinung nach nur mit Qualität machen. Kaffeehaus steht für einfach guten Kaffee, selbstgemachten Kuchen, und auch für Brot. Für Gemütlichkeit, Qualität und Atmosphäre.“ Natürlich hatten Paul und Anna auch Zweifel und überlegten, ob das in diesen Zeiten eine gute Idee ist. Und auch die Frage, ob Halle bereit dafür ist, stellte sich.

„Handwerk kostet Geld.“
Paul

„Aber wir wollten hierbleiben und das machen. Das versuchen.“ Zum Glück. Das Kaffeehaus Wittekind gehört zum Halleschen Stadtbild. Orte, die sonst verschwinden würden, werden wiederbelebt. Das ist wunderbar und so wichtig.

Mit dem Kaffeehaus Wittekind ist ein Ort entstanden, den man anlaufen kann, wenn man zusammen mit seiner Oma mal wieder richtig guten Kuchen essen möchte, wenn man mit Freunden ein spontanes Picknick an der Saale plant, auf dem Weg zum Spielplatz den Kindern einmal zeigen möchte, wie man sich früher über ein Eis mit Streuseln UND Gummitierchen obendrauf gefreut hat oder wenn man mit der Hausgemeinschaft den lauen Sommerabend auf der Terrasse ausklingen lassen möchte. Hier im Wittekind handwerken Studierte, Meister, Gelernte und durch und durch passionierte Angestellte. Hier wird der Teig selbst geknetet, der Kuchen frisch gebacken. Verkauft wird ausschließlich Dresdner Manufaktur-Eis, keine künstlichen Zusätze, keine künstlichen Aromen, und die Fruchteissorten sind alle vegan. Ein richtiges Team, das bäckt, bald schon Tagespizzen und Picknick-Körbe anbieten wird, und heute schon Wasser-Cocktails und frische Bowls. Von den duftenden Broten einmal ganz abgesehen. Hier findet echtes Handwerk statt.

„Ein New York Cheesecake dauert
zwei Tage, bis er fertig ist.“
Paul

Und so kann ich alle Besucher*innen der Stadt Halle und die Hallenser*innen selbst guten Gewissens hierher geleiten – wörtlich natürlich. Denn es ist wirklich schön, dass Anna und Paul als echte Hallenser wiedergekommen sind, um diesmal zu bleiben. „In Halle braucht alles vielleicht etwas länger, aber dafür ist es dann umso aufrichtiger, ehrlicher, liebevoller“, sagte Paul schon bei unserem ersten Telefonat. Und da hat er Recht. Aber als Schlusswort möchte ich gern eine andere Aussage von Paul wählen. Weil ich diesen Ansatz einen sehr schönen finde und dieser von viel Miteinander, Empathie und Wertschätzung zeugt:

„Wenn ein Geschäft neu eröffnet, gehe ich grundsätzlich immer noch ein
zweites oder drittes Mal hin, um mir eine Meinung zu bilden. Denn gerade am Anfang
muss sich alles eingrooven. Und dafür würde ich mir manchmal einfach mehr Verständnis wünschen,
also grundsätzlich mehr Verständnis untereinander.“
Paul

Fotograf: Michael Palatini

KAROLIN

„Ich freue mich schon auf den nächsten Cheesecake, den ich mir zum Kaffeekränzchen mit nach Hause nehme. Aber noch viel mehr freue ich mich auf ein Stück Kuchen im Pavillon, um endlich einmal so richtig das Gefühl vom Kaffeehaus zu genießen.“

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