GUTES ESSEN VERBINDET – ÜBER LEIDENSCHAFT UND GASTFREUNDSCHAFT

9. Juni 2022
Ein Artikel von: Melanie Hofer

Hussi – Hobbykoch aus Leidenschaft

Schon Anfang letzten Jahres waren wir auf der Suche nach Foodblogs aus Sachsen-Anhalt für eine Kooperation. Und was macht man, wenn man etwas sucht? Man fragt die Menschen, die man kennt. In unserem Fall haben wir euch gefragt. Ich erinnere mich noch an die Nachricht von einer Marta: „Der Hussi macht tolles Essen“, schrieb sie. Neugierig haben wir uns das Social-Media Profil angesehen. Es war schön gemacht und das Essen ansprechend zubereitet. Die Kombination aus arabisch und europäisch fanden wir sehr spannend. Aber entschieden haben wir uns damals für Konditormeisterin Julia und ihre Backrezepte.

Hussi und seine kulinarischen Highlights gingen uns nicht aus dem Kopf. Ich gebe zu, wir ließen uns häufig von ihnen inspirieren, kochten das ein oder andere nach. Neues Jahr, neues Glück – wir hatten uns nun fest vorgenommen, diesen „Koch” doch einmal persönlich kennenzulernen. Also sind wir der herzlichen Einladung von Hussi zu einem gemeinsamen Kochabend gefolgt, zu ihm nach Hause, in seine geschmackvoll eingerichtete Wohnung im Stadtfelder Kiez. In der offenen Wohnküche stand ein großer Holztisch voller frischer Zutaten.  Zusammen haben wir geschnippelt, gekocht, erzählt und dabei erfahren, wie Hussi eigentlich zum Kochen gekommen ist…

„Als ich noch Kind war, habe ich zu Hause meiner Mutter oft beim Kochen geholfen. Meistens in der Zeit des Ramadan. Da sitzen wir ja alle zusammen und bereiten das Essen vor. Da durfte ich dann schneiden, rühren und verkosten.” Hussi, der eigentlich Hussein heißt und seine Wurzeln in Syrien hat, erzählt uns, wie seine Familie während dieser Zeit zusammen Kochshows von Jamie Oliver, Martha Stewart oder arabischen Köchen anschauten. Schon da merkte er, wie sehr ihn das Kochen inspiriert. “Seitdem habe ich immer mal ein paar Sachen ausprobiert.” Und viele gute Tipps erhalten,  wie zum Beispiel, dass man Zwiebeln vor dem Schneiden in kaltes Wasser legt, damit man nicht weint.

Als er dann nach Deutschland kam, brachte er mit dem Kochen der arabischen Speisen nicht nur ein bisschen Heimat mit hierher, sondern lebte auch seine Familientraditionen weiter. Immer öfter kochte er für Menschen und Freunde, die er hier kennenlernte. “Gutes Essen verbindet”, sagt er, und wir nicken bejahend, während wir den Joghurt mit Zitronensaft und Sesampaste verrühren. Er hat Freude daran gefunden, Neues auszuprobieren und seine Rezepte zu teilen. “Also habe ich meinen Instagram Account eröffnet, und die schönen Sachen, die ich zubereitete, dann gepostet. Ich lasse mich inspirieren, entwickle meine eigenen Rezepte und teile sie mit anderen.”

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Instagram

“Ein orientalisch-europäisches  Kochbuch herauszubringen, das ist mein Traum!” Hussi schwärmt vom Buch “Jerusalem” von Ottolenghi, erzählt uns aber auch, dass er noch neue Dinge ausprobieren möchte. “Meine eigenen Kombinationen – orientalisch mit europäischen Einflüssen. Hauptsächlich vegetarisch.” Und dabei bereitet er die Shakshuka zu, schlägt das Ei in die heiße Masse aus kochenden Tomaten und feinen Gewürzen. “Arabische Köche inspirieren mich”, schwärmt er, “wie Leyla Fathallah. Wie sie das Essen präsentieren und welche Ideen sie haben.”  Nebenbei positioniert er die dünn geschnittenen Auberginen fein säuberlich am Boden eines Topfes, redet, immer mit einem Strahlen im Gesicht, während wir ihm zusehen. Und als er den trockenen Reis auf dem Gemüse verteilt und alles mit Brühe aufgießt, schweift mein Blick durch das Regal voller Gewürze, Gläser mit Pasten und Kräutertöpfe. “Eigentlich möchte ich ja Arzt werden und meine Ausbildung absolvieren, aber vielleicht…”, sinniert er,  holt die Nachspeise aus dem Ofen und übergießt diese mit heißem Sirup, “…vielleicht folge ich auch dem Beispiel eines arabischen Kochs, der Architekt ist, und eröffne mal ein gutes Restaurant. Dann können alle probieren, wie spannend die arabische und europäische Küche zusammen harmonieren.”

Und genau das machen wir jetzt. Auch Marta, Husseins Freundin, hat sich in der Zwischenzeit dazu gesellt. Wir tunken gemeinsam das Fladenbrot in den fein abgestimmten Joghurt,  lassen uns die Shakshuka schmecken und staunen, was aus dem in Gemüse gebetteten Reis geworden ist. Wir stoßen an, mit unserer köstlichen Fassbrause von der “Brauserei”, die wir als kleines regionales Gastgeschenk mitgebracht haben, und freuen uns, dass wir an diesem Tag ein Teil dieser gastfreundlichen Kultur sein dürfen.

MELI

“Kennt ihr diese Begegnungen, bei denen man hinterher denkt, was für ein beeindruckender Mensch? Diese Begegnungen, die entweder den Moment oder sogar das Leben bereichern. Und kennt ihr diese Momente, in denen man hofft, dass sie nicht enden? Die Abende, bei denen man denkt, sie sollen ewig so weitergehen. Wir hatten genau diese Begegnung und genau diesen Moment. Bei Hussi, in seiner Wohnung, an seinem Esstisch.”

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