WO NÜSSE UND QUITTE IM BRAUKESSEL LANDEN

3. Juni 2021

Ein Artikel von: Larissa Benz

BREWCKAU – MAGDEBURG

Vom Zahntechniker zum Bierbrauer – Robert Kellermann hat das geschafft, wovon viele träumen: einen ungeliebten Job aufzugeben und nochmal neu durchzustarten. Mit seiner Brauerei Brewckau und seinen originellen Kreationen rund um das flüssige Gold hat er sich einen Namen auch außerhalb Magdeburgs erarbeitet.

„Die Zutaten müssen natürlich sein, Aromen kommen mir nicht in den Topf!“

„Ich liebe und lebe einfach das Thema Bier…“

Robert Kellermann ist ein aufgeschlossener Zeitgenosse: Schon am Telefon klingt er unkompliziert, freut sich, von seiner Geschichte und dem Weg zur eigenen Brauerei zu erzählen. Mit auffälliger Cap, Brille und einem Shirt mit dem Brewckau-Logo empfängt der Inhaber Gäste in seiner Brauerei, die gleichzeitig eine gemütliche Kneipe ist. Es dauert nicht lange, da ist man mit ihm beim „Du“ angekommen: „Welches Bier kann ich dir anbieten?“, fragt er und lächelt verschmitzt. Die Wahl fällt schnell auf das Buckauer Pale Ale, einen Kassenschlager, der einmal im Jahr immer zur festen Zeit gebraut wird.

Seit Dezember 2017 betreibt Robert hier in der Schönebecker Straße in Magdeburg-Buckau gemeinsam mit seinen Mitarbeiter*innen das Brauhaus Brewckau. Der Gastraum ist geräumig, die Möbel bunt zusammengewürfelt, man fühlt sich schon fast wie in einem Antiquariat für besondere Fundstücke. Das meiste davon hat der Inhaber über ebay-Kleinanzeigen oder Haushaltsauflösungen gekauft: „Ich liebe Sachen, die schon einmal gelebt haben“, betont er und lässt den Blick durch den Raum schweifen. Viele Stammgäste reservieren sich vorab ihren Lieblingsplatz, auf dem sie besonders bequem sitzen, erzählt er. Ein Hingucker ist in jedem Fall das „Sporthalle Buckau“-Schild, das nun im Brauhaus Retro-Fans begeistert.

Robert hat eine Menge Herzblut in seinen Lebenstraum gesteckt, das fängt schon bei seiner Ausbildung an. Eigentlich gelernter Zahntechniker, merkt er vor über zehn Jahren, dass ihm in diesem Job etwas fehlt, das er nur schwer greifen kann. Ein Brauseminar in Berlin lässt in ihm den Wunsch reifen, sich nochmal beruflich umzuorientieren. Zwei Jahre später steht der Entschluss fest:
Eine Ausbildung zum Brauer soll es sein. Den praktischen Teil absolviert er auf der Wasserburg in Gommern, wo er das handwerkliche Brauen von der Pieke auf lernt. „Die Ausbildung war für mich in so vielen Bereichen ein Riesenspaß und hat mich total bestärkt“, erzählt Robert rückblickend.

Er baut sich dann eine kleine Brauanlage, mit der er sich bei der Getränkefeinkost in Buckau einmieten kann. Mit dem Inhaber Alex ist er schon lange befreundet, in dessen Laden darf Robert dann auch erste Schaubrauen veranstalten und sich so potentiellen Kund*innen präsentieren: „Alex hat einen Riesenanteil an meinem Unternehmen hier, weil er mir den Einstieg total erleichtert hat“, sagt er. Doch der Platz reicht nicht mehr. 2017 schaut sich Robert vor allem in Buckau nach einer geeigneten Immobilie für eine eigene Brauerei um.

Mit den Räumlichkeiten in der Schönebecker Straße ist er zufrieden: „Die Lage ist wunderschön, unser Publikum kommt aus der ganzen Stadt und ist total entspannt“, schwärmt er.

KONTAKT

Brauhaus Brewckau
Schönebecker Straße 16
39104 Magdeburg

Tel. 0391 40 82 19 49

 
info@brewckau.de
www.brewckau.de
instagram

An zwei Tagen die Woche wird hier gebraut, daraus ergeben sich dann etwa 1000 Liter Bier. Bei der Entwicklung der hauseigenen Sorten setzt sich der Inhaber kaum Grenzen, wichtig ist ihm nur: „Die Zutaten müssen natürlich sein, Aromen kommen mir nicht in den Topf!“ Er selbst bezeichnet sich als Kreativbrauer, liebt es, mit Nüssen, Früchten und gesammelten Kräutern aus der Umgebung zu experimentieren. Die Ideen zu neuen Kreationen kommen ihm oft beim Joggen, Gerüche und visuelle Eindrücke inspirieren ihn dazu. Den Hopfen bezieht er hauptsächlich aus dem Elbe-Saale-Dreieck, für ein Spezialbier bestellt er aber auch in den USA. Drei feste Biere hat er ganzjährig im Programm: Tach Hell, Stock Dunkel und Chinook Lager. Hinzu kommen wechselnde Sorten, bei denen sich auch sein Auszubildender Tim austoben darf, in diesem Jahr etwa mit einem Quittenbock. Seine Rolle als Ausbilder nimmt Inhaber Robert sehr ernst: „Ich hatte selbst eine so tolle Ausbildung und wollte davon unbedingt etwas zurückgeben.“

Sein Fachwissen gibt er generell gerne weiter: Regelmäßig findet im Brewckau selbst oder digital ein Stammtisch für Hobbybrauer*innen statt, in dem über neue Erfahrungswerte und Experimente gesprochen wird. „Ich liebe und lebe einfach das Thema Bier“, betont Robert. Hinter der Bar im Brewckau steht sogar ein eigener Kühlschrank für die Hobbybrauer*innen, wo selbstständig Bierkreationen in Flaschenform ausgetauscht werden. Regelmäßig öffnet er aktuell die Brauerei für den Werksverkauf, immer wieder kommen während unseres Gesprächs Kund*innen auf der Suche nach dem passenden Getränk in die Brauerei: Robert nimmt sich Zeit für alle, hört genau zu und fragt nach den Vorlieben.

Vieles, was sich der Unternehmer vorgenommen hat, hat er schon erreicht. Einen großen Traum hegt Robert aber noch: Die Küche auszubauen und irgendwann einmal auch warme Gerichte anbieten zu können: „Dann müssten wir uns aber platztechnisch deutlich vergrößern“, sagt er und schmunzelt. Doch bei so viel Kreativität und Wille sollte das für ihn keine allzu große Herausforderung sein.

Fotograf: Michael Palatini

LARISSA

„Ein Renner ist aktuell die Aktion „Brot & Bier“, bei der das Brewckau-Bier gemeinsam mit besonderem Brot der Bäckerei Möhring angeboten wird. Ich empfehle eine Voranmeldung via Mail.“

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