TRADITION, HANDWERK & EIN SYMPATHISCHES TRIO

12. August 2021
Ein Artikel von: Karolin Janus

VAUPEL – FASHION & SHOES – GERBSTEDT

Eigentlich hättet ihr dabei sein müssen, um diesen herrlichen Moment in seiner Gänze mitzuerleben. Familientradition ist ja definitiv eines der Worte, die Vaupel unbedingt beschreibt, und so hat dieses Szenario einfach wunderbar gepasst. Ich musste innerlich so schmunzeln – ohne es mir anmerken zu lassen, da ich noch nicht ahnte, wie sympathisch und herzlich diese drei Menschen sind.

„Es geht uns darum, dass wir den Kunden begeistern und ausstatten konnten.“

Und so war es nun: Als ich den Laden betrat, wurde ich herzlich begrüßt. Vor mir standen aufgereiht alle drei Inhaber – oder eben einfach die Familie Vaupel – an einem hübschen, alten Verkaufstresen. Es hätte auch ein gestelltes Foto sein können, wie sie da so standen. Sie waren mitten im Gespräch und das Szenario war echt. Links Marcus Vaupel (Sohn von Andreas, Bruder von Alexander: helfende Hand und verantwortlich fürs Marketing), in der Mitte Alexander Vaupel (Sohn von Andreas, Bruder von Marcus und Inhaber) und rechts Andreas Vaupel (Vater von Alexander und Marcus und gemeinsam mit Alexander Geschäftsführer bei Vaupel). Alle adrett, stylisch und mit Hemd – so wunderbar authentisch. Und wer schon ungeduldig werden sollte: Ja, zum Herrenausstatter mit Tradition und zum wertvollen Handwerk der Maßanpassung kommen wir gleich. Bei jedem Geheimtipp – und hier bei Vaupel ganz besonders, geht es immer auch um die Geschichten und Menschen, die hinter einem Unternehmen stehen. Denn ohne dieses Trio und ohne die vorangegangenen Generationen wäre Vaupel nicht Vaupel.

Nach diesem herrlichen Moment des Kennenlernens folgte nun der zweite – quasi mit Aha-Effekt. Und zwar als das Model – beziehungsweise der Kunde – aus der Umkleidekabine kam. Marcus passte noch einmal die letzten Feinheiten an – und was soll ich sagen, der Anzug saß einfach perfekt. Es ist allgemein bekannt und doch immer wieder faszinierend: Ein Anzug von hervorragender Qualität, der noch einmal nach Maß umgeschneidert wurde, sitzt einfach anders, als ein Anzug von der Stange. An jeder Naht, an jeder Falte, von den Schultern bis zu den Ärmeln sieht man die Qualität, das Handwerk und die Tatsache, dass hier jemand „Hand angelegt“ hat, der seine Sache versteht.

KONTAKT

Vaupel – Fashion & Shoes
Rosa-Luxemburg-Platz 3
06347 Gerbstedt

info@vaupel-gerbstedt.de

Tel: 034783. 293 58
Handy Alexander: 0162. 430 19 10

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ÖFFNUNGSZEITEN
Mo – Fr: 9 – 12 Uhr & 14 – 18 Uhr
Sa: 9 – 12 Uhr

Bewegen wir uns im Geschäft auf der oberen Etage hin und her, knarrt bei jedem Schritt der Fußboden. In diesen Räumen haben schon die Urgroßeltern von Alexander und Marcus gewohnt und gearbeitet. Schon als kleine Kinder rannten die zwei Brüder hier herum und haben geholfen.

„Wenn früher eine große Lieferung Krawatten ankam, dann mussten
die natürlich alle aufgehangen werden – und da waren wir am Start“,
erzählt Alexander.“

Und während wir uns gerade unterhalten, kommt die 5. Generation auf kleinen Kinderfüßen hereingerannt, um kurz Hallo zu sagen. Die Verbundenheit mit dem Geschäft und der Tradition spürt man bei jedem Wort im Gespräch, und ich habe nicht den Eindruck, dass es um ein erdrückendes Pflichtgefühl ging, als die Frage im Raum stand, ob die beiden Brüder die nächste und somit 4. Generation werden möchten. Und ich habe das Gefühl, dass zwei Generationen sehr herzlich miteinander umgehen. Auf mein Nachfragen hin wird dies auch bestätigt – es ist ein wertschätzendes Miteinander.

„Jede Generation hatte natürlich ihre ganz eigenen Herausforderungen“, erzählt Marcus. „Unsere Urgroßeltern hatten mit der Weltwirtschaftskrise ihre Not und dann natürlich mit dem Weltkrieg. Unsere Großeltern erlebten die Nachkriegszeit und eine Zeit, in der es nicht allzu viel gab und wenn, dann wurde es später in der DDR stark reglementiert. Bei Andreas, unserem Vater, war die Wendezeit. Es gab kurz danach ein Überangebot an Ware, und alle konnten plötzlich überall alles kaufen. Und wir stehen jetzt vor der Herausforderung, das Geschäft bzw. das Marketing mehr zu digitalisieren und uns als Traditionsbetrieb mit unseren Werten in diesen Zeiten zu behaupten.“

„1929 hat das hier unser Uropa zusammen mit unserer Uroma gegründet.
Es war ein typisches Kaufhaus, was es in jeder kleinen Stadt so gab.
Hier konnte man bis auf Lebensmittel eigentlich alles kaufen.“
Marcus

„Ende der 90er hat Andreas, also unser Vater, das Geschäft übernommen. Und Alex ist jetzt der nächste, der den Hut aufhat – im wahrsten Sinne des Wortes“, höre ich von Marcus, während Alexander mit Hut auf dem Kopf und Maßband über den Schultern umherwirbelt.

„Dieses Haus ist schon immer in Familienbesitz. Nach der Schule sind wir immer
hierher gegangen. Unsere Eltern und Großeltern waren immer
selbstständig und so hat sich eben auch hier viel abgespielt.“

Marcus

„Wir möchten diese Tradition auch gern noch mehr zeigen“, sagt Marcus und erzählt, dass der Tresen aus einer alten, aufgearbeiteten Tür gebaut wurde, dass an dem Ladentisch am Eingang schon sein Uropa stand und dass die Garnschränke und Nähmaschinen bereits von der Oma genutzt wurden. Als Familie stehen sie auf jeden Fall alle gemeinsam hinter dem Geschäft. Und steht eine Messe an, dann packen alle bei den Vorbereitungen und Nachbereitungen mit an. Alexander und Andreas sind jeden Tag im Laden, und Marcus unterstützt die beiden bei Außenterminen, Kooperationen mit anderen Geschäften und in Sachen Marketing. Zum Team gehören auch noch zwei Schneiderinnen, erzählt mir Marcus. Alles geht hier Hand in Hand.

„Wir setzen uns immer in unserer 3er-Konstellation zusammen und besprechen
dann alles zum Geschäft. Also kein angespanntes Teammeeting,
sondern ein Austausch in Familie.“
Alexander

„Austausch und über alles reden ist wichtig, und das bekommen wir nun schon echt lange ziemlich gut hin“, erzählt Alexander weiter. „Das Sortiment hat sich über die Jahre immer wieder verändert, und das muss es auch.“ Klamotten von A bis Z – für Männer und Frauen, aber jetzt eben vor allem Herrenanzüge nach Maß, Schuhe, Outfits und Accessoires ausgewählter Marken, alles rund um die Hochzeit und andere Feierlichkeiten. „Wir haben viel Stammkundschaft, die kommt über Generationen hierher“, erfahre ich von Alex. „Hier kommen Kunden her, die haben bei unserem Opa den Anzug für die Hochzeit gekauft, dann später den Anzug für die silberne Hochzeit, und sie kamen jetzt wieder zu uns, um sich den Anzug für die goldene Hochzeit zu kaufen. So was ist einfach schön.“

Und genau das ist es. Es ist großartig, wenn etwas Bestand hat. Hier werden wirklich Lebenswege begleitet. Ich meine, wir kommen langsam wieder dorthin, aber lange Zeit war es ja leider so, dass preiswerter und schneller Konsum gefeiert wurde und Beständigkeit wie ein Relikt aus Urzeiten wirkte. Doch es gibt sie noch, diese Beständigkeit – und sie hat das Herz am rechten Fleck. Das nehme ich von meinem Besuch in Gerbstedt auf jeden Fall mit.

Familientradition wird hier bewahrt und mit neuen, modernen und nachhaltigen Gedanken belebt. Und wie früher in einem gut sortierten Gemischtwarenladen – und das soll keinesfalls ein komischer Vergleich sein – findet man bei Vaupel kein unnötiges Überangebot, von dem man erschlagen wird. Denn wenn das, was es gibt, richtig gut ist, braucht man nicht tausend andere weniger gute Dinge. Vaupel arbeitet mit führenden und handverlesenen Marken wie DIGEL, Carlo Cardini oder Adam Bows zusammen. Die Anzüge, Westen und Accessoires wie Hosenträger oder Fliegen stammen von Labels, die bewusst ausgewählt wurden und die sich ebenso wie Vaupel auf Tradition und den kleinen, aber feinen Manufakturgedanken berufen. „Uns ist es wichtig, dass die Anzüge und Accessoires, die zu uns kommen, von bester Qualität sind. Und wir kümmern uns dann um das finale Fitting und stellen ein passendes Outfit zusammen.“ „Das Wichtigste für uns ist, dass der Kunde den Laden mit einem Anzug verlässt, der so perfekt sitzt wie ein Maßanzug“, sagt Alexander. Hier werde ich als Kunde also wirklich beraten. Hier werde ich nicht verkleidet, sondern angezogen. „Viele kommen über Empfehlungen“, erzählt Alexander weiter. „Die Menschen sind bereit, auch mal länger herzufahren, weil sie hören, dass es hier Beratung und Qualität gibt.“

„Eine Anprobe dauert Zeit. Und die nehmen wir uns“, sagt Alexander.

„Wenn wir eine Anprobe haben, dann bleibt das meist auch bei einer am Tag, oder höchstens noch einer zweiten. Der Termin zur Anprobe soll so entspannt wie möglich laufen“, erzählt Alex weiter. „In der Regel kommen unsere Kunden 2-3 Mal. Wir beraten auch beim Erstgespräch einfach in Ruhe, und genau das ist unsere Leistung, die wir gern erbringen. So bleiben wir lange im Gedächtnis der Kunden – das ist schön und freut uns.“ „Mit den neuen Kooperationen mit verschiedenen Brautmodengeschäften machen wir es auch den Bräutigamen leichter, denn wir wissen dann, was die Braut trägt und wie der Stil des Kleides ist. Und dann können wir natürlich viel besser beraten und alles aufeinander abstimmen.“ „Dem Bräutigam wird alles abgenommen, wenn er möchte.“

„Die ehrliche und ausführliche Beratung ist unser Merkmal.
Ich sehe sofort, welche Größe gebraucht wird. Es geht uns eben nicht darum,
am Ende des Tages mit einem fetten Kassenbon im Buch nach Hause zu gehen,
sondern darum, dass wir den Kunden begeistern und ausstatten konnten.
Er soll zufrieden nach Hause gehen.“

„Wir sind Vaupel. Wir sind die Marke“, sagen beide wie aus einem Mund und wir müssen alle lachen. Denn auch diese taffe Aussage kommt überhaupt nicht überheblich rüber, sondern sympathisch – und außerdem steht diese Aussage allen dreien auch so was von zu. Und wer jetzt immer noch die Frage auf den Lippen hat: Was gibt es denn in Gerbstedt, was es anderswo nicht gibt?“, dem sei geantwortet:

„Uns gibt es hier. Uns als wirkliches Traditionsunternehmen mit individueller Beratung,
unserer Ehrlichkeit und der Zeit, die wir uns für jeden Kunden nehmen.“
Andreas, Alexander & Marcus Vaupel

Und ich füge noch hinzu: ein so authentisches, witziges und sympathisches Verkaufstrio habe ich noch nie erlebt. Es war fabelhaft. Und damit ende ich. Micha und ich bedanken uns für einen wahrhaft wunderbaren Interviewtermin und die kleine Stadtführung durch kleine, Gerbstedter Gassen. Auf bald!

Fotograf: Michael Palatini

KAROLIN

„Wer einen perfekt sitzenden Anzug von hervorragender Qualität oder feinste Schuhe, ausgefallene Socken oder eine Krawatte aus Holz haben – und sich dabei wunderbar aufgehoben fühlen möchte, wer ehrliche Beratung, Erfahrung und einen geschulten Blick zu schätzen weiß – und dazu noch auf Charme, Stil, Witz und Familiensinn treffen möchte, der kommt nicht umhin, nach Gerbstedt zu fahren.“

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