HEITER BIS WOLKIG – UND MITTENDRIN IM KIEZ

20. August 2021
Ein Artikel von: Karolin Janus

HEITER BIS WOLKIG – Halle/Saale

Als ich vor einiger Zeit das heiter bis wolkig zum ersten Mal betreten habe, sind sie mir sofort aufgefallen: kleine, handgeschriebene Zettel, die als Leseempfehlungen auf einigen Büchern kleben. Ich bin verzückt. Sofort. Und dieses Wort ist an dieser Stelle absolut nicht übertrieben. Ich meine, wie oft finden wir solch herzliche Kleinigkeiten noch im Handel? Wie oft entdecken wir noch Empfehlungen, die von Hand geschrieben sind? Theresa Donner setzt das auf jeden Fall in ihrem Buchladen heiter bis wolkig um.

„Ich lese nach Gefühl.“

„Die kleinen Zettel schreiben wir selbst. Klar. Wir alle lesen viel und gerne, und wenn uns dann ein Buch
besonders gefällt oder wenn uns zu einem Buch etwas einfällt, was wir an unsere Kund*innen
weitergeben möchten, dann schreiben wir das auf.“

„Ich und wir haben nicht alles gelesen, aber ich habe schon den Anspruch, so viel wie möglich zu lesen von dem, was wir hier verkaufen. Belletristik mag ich persönlich am liebsten. Ein Hörbuch höre ich dann meist noch parallel. Und dann habe ich immer noch ein oder zwei Bücher irgendwo liegen, bei denen ich immer mal wieder weiterlesen kann.“ Ich bin beruhigt und muss schmunzeln, während ich Theresa zuhöre, denn es gibt offenbar noch mehr Menschen, die so lesen wie ich und irgendwie immer noch ein, zwei Bücher extra herumliegen haben. Und ich glaube auch, dass es vielen anderen so geht, denn beim Lesen geht es doch meist nach Gefühl. Es gibt verschiedene Stimmungen, Phasen und Momente im Leben, und die Bücher müssen eben irgendwie dazu passen. Und oft sucht man sich dann intuitiv das aus dem Bücherregal aus, was gerade stimmig ist. Oder wie sehr ihr das?

„Ich finde schon, dass ein Buch zur aktuellen Stimmung und Phase, ja zur Lebensphase
passen sollte. Auf Zwang lesen ist jetzt nicht so schön.“

KONTAKT
heiter bis wolkig – Buchhandlung
Richard-Wagner-Straße 7
06114 Halle/Saale

riwa@heiterebuecher.de

Tel: 0345. 132 565 25

Instagram


ÖFFNUNGSZEITEN
Mo – Fr: 9:30 – 18:30 Uhr
Sa: 10 – 16 Uhr

Und genau so ist auch das heiter bis wolkig bestückt. Denn es ist eben der ‚kleine Buchladen um die Ecke‘. Persönlich, heimelig, von Theresa und ihren Mitarbeiter*innen geführt und nach ganz eigenen Ansätzen eingerichtet. „In den Verkaufskatalogen steht gar nicht so viel, und von daher entscheide ich aus dem Bauch heraus, was wir aufnehmen“, erzählt Theresa weiter. „Und irgendwann weiß man auch, was so passt. Was in den Laden hier gehört. Und natürlich möchte ich so vieles davon lesen, einfach weil ich dahinterstehen möchte. Das ganze Team liest viel. Und gern. Und danach schreiben wir dann eben auch die kleinen Zettel. Denn wir möchten unsere Empfehlungen gern ganz persönlich an unsere Kund*innen weitergeben – so als würde man sich über das neueste Lieblingsbuch unterhalten.“

„Und so wie ich selbst lese, gestalte ich auch diesen Buchladen hier – und die Auswahl. Intuitiv, aus dem Bauch heraus, nach Gefühl. Ich orientiere mich natürlich nicht nur an meinen Interessen, sondern auf jeden Fall auch an den Interessen meiner Kunden*innen. Wird z.B. ein Titel sehr, sehr häufig bestellt, gucke ich dann auch noch mal genauer hin, lese dieses Buch und nehme es dann vielleicht auch wieder ganz bewusst in unser Sortiment auf.“ „Wir informieren uns immer über den aktuellen Diskurs, schauen, für welches Thema gerade eine besonders große Sensibilität herrscht. Wir stellen uns die Fragen: Was beeinflusst uns alle oder uns persönlich gerade? Was ist im Moment aktuell in aller Munde?“

„Es ist mein und unser Glück, dass unsere Kunden*innen dazu passen. Oder dass die jeweiligen
Arten zu lesen oder sich ein Buch auszusuchen eben gut zusammenpassen. Es hätte ja auch sein
können, dass so wie ich lese oder wie meine Kolleg*innen lesen, absolut nicht mit anderen
Lesegewohnheiten zusammenpasst.“

„Doch es passt. Und das freut mich sehr. Das liegt sicher auch an dem Viertel oder an der Stadt.“ „Ich weiß noch, ich bin damals durch das Paulusviertel gelaufen und dachte mir: ‚Mensch, warum gibt‘s hier denn keine Buchhandlung?‘ Es ist ein bisschen wie in Berlin, am Prenzlauer Berg. Kurz nach dem Studium habe ich auch mal in einer Buchhandlung im Prenzlauer Berg gearbeitet, und genauso hat es sich hier im Paulusviertel angefühlt.“ „Die Stimmen, die gesagt haben: ,Hier gab es noch nie eine Buchhandlung‘, die habe ich einfach einmal ignoriert und mir gesagt, das wird klappen.“ Und es ist schön, Theresa zuzuhören, wie positiv und beschwingt sie über diese Anfangszeit redet, und es ist noch schöner, wenn man sieht, dass sie Recht behalten hat. Wir brauchen wieder mehr ‚kleine Läden um die Ecke‘.

„Wir passen hier gut rein. Und das freut mich sehr.“

„Die Bücher stehen ja auch nicht nur für sich in einem luftleeren Raum. Sie stehen an einem Ort und dieser Ort ist gestaltet. Die Ästhetik des Ladens, die Ansprache, das bin ich, das sind wir und es passt eben auch zu dieser Lage, in beiden Straßen.“ „Ich hatte in der LuWu und in der Richard-Wagner-Straße von Anfang an das Gefühl, hier passe ich gut hin. Die sogenannte A-Lage wäre für mich nie in Frage gekommen. Es sollte ein kleiner Buchladen um die Ecke werden. Der kleine Buchladen im Kiez.“

„Dieses Kiezdenken war bisher in Halle noch nicht ganz so da. Durch die Pandemie hat sich
das schon geändert, und so ist es hier ein richtiges kleines, belebtes Viertel geworden. Und ich finde
es so herrlich, ein Teil davon zu sein.“

Und je öfter ich in Halle für den Geheimtipp unterwegs bin, umso mehr solcher Geschichten höre ich. Und ich finde es einfach fabelhaft, diese kleinen Geschichten und Orte, die Halle so hübsch machen, weiterzutragen.

All diese kleinen Läden und Ideen, die sich ja auch gegenseitig befruchten: wir können hier alle gemeinsam diese Stadt und die verschiedenen Viertel attraktiver machen. Da stimme ich mit Theresa überein.

„Es ist schön zuzugucken, wie ein Viertel und eben auch die Kunden*innen darin
weiterwachsen. Sie werden älter, wachsen als Familie weiter und durchlaufen verschiedene
Lebensphasen. Und wir können das irgendwie begleiten.“

Hier im heiter bis wolkig kann jeder herkommen, der ein Buch sucht oder vielleicht auch ein kleines Geschenk. Theresa und ihr Team beraten gern – und die intuitive Buchauswahl auf rund 40 Quadratmetern lädt dazu ein, auch einfach in Ruhe zu stöbern und herumzugucken. Theresa erzählt mir noch ein wenig über die Menschen, die hier täglich ein und aus gehen. „Wir haben einen festen Kundenstamm. Und ich freue mich so darüber. Man kennt sich. Ich wollte nicht in einem Viertel meinen Laden eröffnen, wo ich nur Durchlaufkundschaft habe. Ich finde es schön, dass Kunden*innen regelmäßig kommen, vorbeischauen und hier auch ihre Schulbücher bestellen.“ Denn natürlich geht es hier im heiter bis wolkig auch darum, wieder ein Bewusstsein für kleine Läden um die Ecke zu schaffen. Ein bisschen mehr über den Gedanken des Einkaufens und über die Verfügbarkeit von Dingen nachzudenken. Müssen wir immer alles und das auch noch sofort haben? Das geht auch online nicht immer. Doch hier kann man sich sämtliche Bücher, das neue Lieblingsbuch und auch CDs in den Laden bestellen und dann abholen. Wir können den Handel vor Ort mitgestalten. Und somit auch ‚das eigene Viertel‘. Aber auch wer hier nicht stöbern möchte, sondern mit einem ganz konkreten Buchwunsch herkommt, ist willkommen.

„Natürlich ist unsere Auswahl kuratiert, und von 30.000 Neuauflagen haben wir nur einen
Bruchteil hier. Aber wir können alle möglichen Bücher hier zu uns kommen lassen. Und auch
das macht uns aus.“

„Ich freue mich immer, wenn die Leute sagen, sie sehen hier Bücher, die sie sonst nie sehen.
Das ist schön. Und das zeigt mir, dass unsere Idee und unsere Auswahl funktioniert.“

Egal, ob mit oder ohne genaue Vorstellungen – hier finden mit Sicherheit Leser*innen und Buch zusammen. Denn man wird nicht mit der Fülle an Mainstream-Publikationen erdrückt. Und genau das macht eben auch den kleinen Handel und die inhabergeführten Läden aus. Und mit dem lokalen, echten Handel vor Ort kann man auch mal aus seinem Algorithmus herausfinden, den man online ja oft verfolgt. Und so lässt sich wieder Neues entdecken. Ich bin jedenfalls froh, diesen kleinen Laden entdeckt zu haben – und ich freue mich darüber, dass Menschen wie Theresa Halle so bereichern und beleben.

Danke, Theresa!

Fotograf: Michael Palatini

KAROLIN

„Mittlerweile kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, meine Bücher in einem Laden zu kaufen, der größer ist als das ‚heiter bis wolkig‘ … ich habe auch schon wieder den neuen Buch-Wunschzettel parat und freue mich auf die nächste Einkehr hier :).“

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