Mir reicht‘s, ich geh schaukeln – Frau Ernas Loser Lebensmittelpunkt

15. Juli 2020

FRAU ERNAS „LOSER LEBENSMITTELPUNKT“

Der erste Unverpacktladen mit Schaukel! Warum sie da ist, fragst du dich? Aus verschiedenen Gründen. Nicht nur zum Schaukeln. Sie ist nämlich auch ein schönes Symbol, das Leben nicht so ernst zu nehmen, auch mal wieder Kind zu sein und etwas Gutes zu tun. Positiv zu denken. Ein Lebensmotto von Frau Erna, eigentlich Sarah Werner (34). Aber für alle hier im Kiez in Stadtfeld ist sie einfach nur Frau Erna! Der Name erinnert an den schönen alten Tante-EMMA-Laden zu Kinderzeiten. Und Erna reimt sich fast auf Werner. Den Namen haben ihr die Jüngsten aus dem letzten Job als Erzieherin verpasst. Nun ist er geblieben.

„Ich wollte den Charme vom Tante-Emma-Laden, die freundliche Tanne Emma von nebenan, die da am Tresen steht und einem den Käse abschneidet. Das fand ich schon cool.“

„Der Schellheimer Kiez ist meine Kiezfamilie. Deshalb fühle ich mich als Händler hier so wohl.“

Seit 2017 ist Frau Erna stolze Besitzerin ihres eigenen kleinen Ladens. Ihr Anspruch: überwiegend verpackungsfrei, möglichst regional und in Bioqualität. Besondere Produkte sollen es sein. Viele, die du nur bei ihr kaufen kannst. Angefangen von einer großen Auswahl an Kosmetik (darauf ist sie sehr stolz) – Haarwaschseifen, Pflegeprodukte sowie Utensilien für Frau & Mann – bis zu kleinen Haushaltshelfern. Ein Blick an die Wand gegenüber. Dort findest du eine selbstgebaute Abfüllstation für Wasch- und Spülmittel. Die Tanks stehen eigens kreiert hinter der Wand. Davor in schöner Schrift auf schwarzer Tafel die Produkte geschrieben. (Ganz nebenbei: Ich liebe diese kreative Art, sie geben einem Laden immer so eine schöne persönliche Note.)

Wie funktioniert der Einkauf?

Du bringst, wenn du magst, deine eigene Verpackung einfach mit und füllst sie nach Belieben. Der Preis geht dann nach Gewicht. Es muss ja nicht immer die große Tüte sein. Mit über 600 Produkten kannst du eigentlich schon deinen gesamten Wochenendeinkauf von Nudeln über Käse, Obst und Gemüse hier abdecken und alles kaufen, was du für deinen Alltag brauchst. Beliefert wird Frau Erna immer mehr von regionalen Lieferanten. Das war vor 3 Jahren noch nicht ganz so einfach, vor allem, wenn man den Anspruch hatte: unverpackt, regional und am besten vom Direkterzeuger. „Das war für die Lieferanten logistisch einfach zu aufwendig. Tatsächlich habe ich mir am Anfang noch viel von anderen Läden abgeschaut. Bioqualität im Großgebinde. Erst mal nicht so regional, sondern vordergründig die Verpackung reduziert“, sagt sie. „Durch Recherche auf Märkten haben wir einen Großteil unserer Lieferanten kennengelernt. Ich freue mich, dass sie nun auch den Weg zu uns finden.“

Wem spontan der Magen knurrt, der stellt sich fix sein Müsli selbst zusammen, von den Zutaten, die er am liebsten mag. Eine reichhaltige Auswahl gibt es hier, von Crunchy Erdbeer, Schokocrisps und Getreidesorten. Die kleine Sitzecke lädt zum gemütlichen Verweilen ein. Wer etwas Warmes möchte, wählt die Lebensmittelrettersuppe. Frisches Gemüse, das vielleicht nicht mehr den Weg in den Einkaufskorb geschafft hat, aber trotzdem noch gut ist, landet hierfür im Kochtopf. „Der Anspruch liegt hier nicht auf der hippen Suppe, wir haben einen gesunden Mittagstisch“, schmunzelt die Inhaberin.

ÖFFNUNGSZEITEN

Montag – Freitag 09.00 – 12.31 Uhr
15.31 – 20.00 Uhr
Samstag 10.00 – 16.00 Uhr
Sonntag Geschlossen


LAGE/KONTAKT

Arndtstraße 38
39108 Magdeburg

Tel.: 0391 . 59 84 63 11
www.frau-ernas.de

Umweltbewusst gelebt hat Frau Erna in ihrer Jugend nicht immer. Erst das Sozialpädagogikstudium prägte sie und die Menschen, die sie dort kennenlernen durfte. Nun ist der „Lose Lebensmittelpunkt“ ihr beruflicher Traum geworden, den sie aber gern erweitern möchte. Konkrete Pläne hat sie schon: Ein CO2-neutrales Wohnprojekt im Kiez mit Leben und Wohnen; ein soziales Miteinander. Und der Laden zieht natürlich mit.

Frithjof, der kreative Part an ihrer Seite, arbeitet eher zurückgezogen. Das Ladenkonzept haben sie selbst entworfen, vieles dafür nach ihren Vorstellungen selbst gebaut oder auch gebraucht gekauft. So schließt sich der Kreis. Die Unverpackt-Szene ist eben noch ganz jung. „Das Spannende in unserer Branche ist, dass wir alle miteinander aufgewachsen sind“, sagt Frau Erna „Das schätze ich sehr, dass eben alle nicht vom Fach sind. Wir sind alle Idealisten. Und das ist ein starkes Miteinander.“ So wie auch der Schellheimer Kiez, der aus einem Verbund von vielen kleinen, tollen Läden rund um den Schellheimer Platz gewachsen ist.

ANJA

„Ich freue mich, dass es diesen Tante-ERNA-Laden gibt. Hab ein paar schöne Kosmetikutensilien gefunden und für mein Kind… mal wieder Süßes aus den Bonbongläsern :-)“